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Zum Umgang mit den Quellen in
Hausarbeiten
Prof.
Sebastian Löbner, Institut für Sprache und Information, Allgemeine
Sprachwissenschaft, HHU Düsseldorf
In der letzten Zeit häufen sich Plagiate bei Hausarbeiten massiv.
Einerseits wird oft mit Täuschungsabsicht plagiiert, indem Textpassagen
oder sogar ganze Arbeiten von anderen oder z.B. aus dem Internet
abgeschrieben bzw. kopiert und als eigene Arbeiten ausgegeben werden.
Täuschungsversuche dieser Art werden ab sofort geahndet (dazu die Bekanntmachung
des Instituts zu Plagiaten und Täuschungsversuchen.)
Andererseits scheint einfach vielen Studierenden nicht klar zu sein,
dass es bei einer wissenschaftlichen Arbeit - und dazu gehören auch
Hausarbeiten, Klausuren und Prüfungsarbeiten - unbedingt notwendig
ist, mit den verwendeten Quellen sauber umzugehen, und wie man das in der
Praxis macht: Alles, was nicht eigene Überlegung ist, sondern aus anderen
Quellen stammt, muss als referierter oder zitierter Teil des eigenen
Textes gekennzeichnet werden (mit genauer Quellenangabe). Dabei gilt
generell: wenn man referiert, muss man dafür eigene Formulierungen
verwenden; wenn man zitiert, muss man genau kennzeichnen, welche Teile des
eigenen Textes von wo übernommen sind und ob irgendetwas
weggelassen, abgeändert oder hinzugefügt wurde. Fast in jeder
Proseminararbeit und auch noch in vielen Hauptseminararbeiten werden diese
Prinzipien nicht beachtet. Bitte verwenden Sie große Sorgfalt darauf! Korrektes
Zitieren und Referieren ist für jegliches wissenschaftliche Schreiben
unerlässlich, denn die Respektierung von geistigem Eigentum ist in der
Wissenschaft von größter Bedeutung.
Um zu verdeutlichen, worum es geht, wurden die nachfolgenden Beispiele
zusammengestellt. Sie zeigen verschiedene Varianten und Stufen des
Plagiats - alle sind unzulässig und von den genannten Sanktionen bedroht!
- aber auch Beispiele für korrektes Zitieren und Referieren.
(Alle Beispiele stammen aus tatsächlich eingereichten Arbeiten.)
I. Beispiele für Plagiat
1. Die unveränderte Übernahme
Ganze Passagen werden unverändert aus einer Quelle übernommen, die
übernommene Passage ist nicht als Zitat gekennzeichnet.
UNZULÄSSIG AUCH BEI QUELLENANGABE
| Hausarbeit |
Quelle |
- Wie kommt bei indirekten Sprechakten
(IS) die illokutionäre Kraft zustande? Woran ist sie
zuverlässig zu erkennen?
- Warum sind indirekte Sprechakte, vor
allem indirekte Aufforderungen, so häufig?
- Wie ist zu erklären, dass es in
verschiedenen Sprachen unabhängig voneinander übereinstimmende
Muster von indirekten Sprechakten gibt (z.B. Aufforderungen in
der Form einer Kannst du... - Frage)?
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(S. Löbner, Skript zur
"Einführung in die Pragmatik")
- Wie kommt bei indirekten Sprechakten (IS) die illokutionäre
Kraft zustande? Woran ist sie zuverlässig zu erkennen?
- Warum sind indirekte Sprechakte, vor allem indirekte
Aufforderungen, so häufig?
- Wie ist zu erklären, dass es in verschiedenen Sprachen
unabhängig voneinander übereinstimmende Muster von indirekten
Sprechakten gibt (z.B. Aufforderungen in der Form einer Kannst
du... - Frage)?
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2. Die leicht veränderte Übernahme
Passagen werden leicht verändert aus einer Quelle übernommen, die
übernommenen Formulierungen sind nicht als Zitat gekennzeichnet.
UNZULÄSSIG AUCH BEI QUELLENANGABE
| Hausarbeit |
Quelle |
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Im Vergleich zu anderen idiomatischen
Wendungen wären die für IS sehr zahlreich. Es
ist jedoch nicht eindeutig, wie groß
in einer Sprache für normale Sprecher der Vorrat an festen
sprachlichen Wendungen und Mustern ist. Bei
indirekten Sprechakten kommt es nicht auf die Form, sondern nur auf
den Sinn an. Idiomatische Wendungen sind dagegen wesentlich fester
in ihrer Form. ...
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(S. Löbner, Skript zur
"Einführung in die Pragmatik")
Im Vergleich zu anderen idiomatischen Wendungen wären die für
IS sehr zahlreich.
Wir wissen gar nicht, wie groß in einer Sprache für normale
Sprecher der Vorrat an festen sprachlichen Wendungen und Mustern
ist.
Idiomatische Wendungen sind fester. Bei IS kommt es nicht auf die
Form, sondern nur auf den Sinn an. |
| Variante 1
Wie andere
Formen der Interaktion benötigen
Gespräche eine Eröffnung zur
Einrichtung der Interaktionssituation und eine Beendigung.
An ihnen nimmt
eine bestimmte Gruppe von Personen offiziell teil, wobei bestimmte
soziale Techniken der Etablierung der offiziellen
Gesprächsteilnahme dienen, z.B. Begrüßungen. Normalerweise
spricht immer
nur ein Gesprächsteilnehmer; das
Rederecht wird durch bestimmte Regeln organisiert bzw. verteilt.
Hat eine Person das Rederecht, nimmt
sie die Rolle des Sprechers ein,
die anderen Teilnehmer die
Rolle des Zuhörers. ...
Variante 2
Ein Gespräch wird durch eine Eröffnung
in die Interaktion
und durch eine Beendigung
dergleichen gekennzeichnet. Durch bestimmte
soziale Techniken (zum Beispiel durch
Begrüßung, Feldpflege [auwei!],
gute Wünsche) wird eine
bestimmte Gruppe (ratifizierte
Teilnehmer) berechtigt an dem Gespräch
teilzunehmen. Ziel
von dieser Art von Interaktion ist die
verbale Kommunikation. Bei dieser spricht
jeweils nur
ein Teilnehmer. Durch das so genannte Rederecht
wird festgelegt, wer
redet. Hierfür existieren bestimmte
Regeln: Man ist im
Besitz des Rederechts, wenn die
Rolle des Sprechers eingenommen wird.
Die übrigen
Gesprächsteilnehmer sind Zuhörer.
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(S. Löbner, Skript zur
"Einführung in die Pragmatik")
Wie jede Form sozialer Interaktion bedürfen Gespräche einer Eröffnung
zur Einrichtung der Interaktionssituation und einer Beendigung.
An dem Gespräch nimmt eine bestimmte Gruppe von Personen
offiziell teil (sog. ratifizierte Teilnehmer). Bestimmte soziale
Techniken dienen der Etablierung der offiziellen Gesprächsteilnahme
(z.B. Begrüßungen).
Gespräche dienen der verbalen Kommunikation. In der Regel
spricht stets nur einer der Gesprächsteilnehmer. Wer redet, ist
eine Frage des Rederechts.
Die Verteilung des Rederechts erfolgt nach bestimmten Regeln.
Wenn eine Person im Besitz des Rederechts ist und spricht, ist sie
in der Rolle des Sprechers, die anderen Gesprächsteilnehmer sind in
der Rolle der Zuhörer. Innerhalb der Zuhörer unterscheidet man
zwischen Adressaten, den direkt Angesprochenen, und Rezipienten im
weiteren Sinne, d. h. direkt angesprochenen oder nicht direkt
angesprochenen Gesprächsteilnehmern. |
3. Die Paraphrase
Passagen werden lediglich, bei in etwa gleichem Inhalt, eins-zu-eins
umformuliert.
UNZULÄSSIG AUCH BEI QUELLENANGABE
| Hausarbeit |
Quelle |
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Die Philosophie der dreißiger Jahre
stand im Zeichen des Logischen
Positivismus.
Man war der Ansicht, dass nur Sätze, die sich
verifizieren lassen, von Bedeutung sind, da man sie in der Hinsicht
überprüfen konnte, ob sie wahr oder falsch sind.
Damit wurde gar nicht erst auf ästhetische,
literarische oder allgemeine Alltagssprache eingegangen, da man
diese für bedeutungslos hielt.
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(S. Levinson (2000) Pragmatik,
Niemeyer: Tübingen. S. 248-249)
In der Philosophie der dreißiger Jahre nahm die Begeisterung
für den logischen Positivismus jedoch fast exzeßhafte Züge an,
wie man heute sagen muss.
Ein zentraler Lehrsatz lautete: Läßt sich ein Satz nicht,
zumindest prinzipiell, verifizieren (d.h. auf seine Wahrheit und
Falschheit prüfen), so ist er strenggenommen bedeutungslos.
Daraus folgte natürlich, daß die meisten ethischen, ästhetischen
und literarischen Diskussionen, ganz zu schweigen von den meisten
Äußerungen der Alltagssprache, einfach bedeutungslos waren. |
4. Inhaltliche Übernahme ohne Quellenangabe
Die Quellen werden referiert, ohne dass deutlich gemacht wird, dass es
sich um die Wiedergabe von Überlegungen anderer handelt. Dadurch entsteht
der Eindruck, dass Sie eigene Überlegungen wiedergeben, obwohl sie nicht
auf Ihrem Mist gewachsen sind. Das ist besonders dann verfehlt, wenn es
sich um Dinge handelt, von denen Sie eigentlich keine Ahnung haben, die
Sie also, wenn Sie ehrlich sind, nur aus einer anderen Quelle haben
können. UNZULÄSSIG
| Hausarbeit |
Quelle |
| Die Ethnomethodologie wurde
von einer Untergruppe von Soziologen entwickelt. Sie sprachen sich
gegen die von amerikanischen Soziologen übliche quantitative
Techniken und das einhergehende Pressen von Daten in scheinbar
objektive Kategorien aus. Ihr Ziel ist es Methoden zu erforschen,
die die Mitglieder einer kulturellen Gemeinschaft nutzen, um soziale
Interaktion zu bewerkstelligen und zu interpretieren. Hierbei wird
nur das teilnehmerspezifische (ethnische) Agieren der Gesellschaft
betrachtet.Begründet wurde dieser ethnomethodologische
Forschungsansatz von Harold Garfinkel um circa 1960. |
(S. Levinson (2000) Pragmatik,
dt. Übersetzung von M. Wiese.
Niemeyer: Tübingen.)
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II. Hinweise für den korrekten Umgang mit Quellen
1. Korrekte Zitierung
Grundsätzlich gilt: Wörtliche Zitate sollten auf das
Notwendigste konzentriert sein, d.h. z.B. auf die Wiedergabe von
Definitionen zentraler Begriffe oder Regeln, bei denen wirklich der genaue
Wortlaut entscheidend ist. Zitate müssen originalgetreu
wiedergegeben werden. Das gleiche gilt natürlich für sprachliche
Beispiele, die als Daten zitiert werden; sie dürfen auf keinen Fall
verändert werden.
- Das Zitat muss mit einer genauen Quellenangabe (mit Seitenzahl)
versehen werden.
- Bei jedem Zitat muss durch Anführungsstriche oder mit anderen
Mitteln (andere Schriftgröße, eingerückter Absatz etc.) genau
gekennzeichnet werden, wo es beginnt und wo es endet.
- Innerhalb der Anführungsstriche muss absolut originalgetreu der
Wortlaut wiedergegeben werden, sogar einschließlich
Rechtschreibefehlern. Jede Abänderung ist unzulässig. Unzulässig
ist auch eine eigene Übersetzung anstelle des Zitats; Sie
dürfen aber eine Übersetzung, die Sie dann als die eigene
kennzeichnen müssen, zum Beispiel in einer Fußnote hinzufügen.
- Auslassungen, Hinzufügungen oder Abänderungen des Zitats müssen
in eckige Klammern gesetzt werden. Beispiel:
| Hausarbeit |
Quelle |
| unkorrekt
Paarsequenzen werden definiert als Sequenz von zwei Äußerungen
die
- benachbart sind
- von verschiedenen Sprechern erzeugt werden
- aus einem ersten und einem zweiten Teil bestehen
- zu bestimmten Gruppen gehören, so dass ein bestimmter erster
Teil einen bestimmten zweiten Teil (oder einen von bestimmten
möglichen zweiten Teilen) verlangt: z.B. verlangt ein Gruß
einen Gegengruß, eine Frage eine Antwort usw.
(nach Levinson 6.2.1.2. (18) S.330)
Anmerkung: Eine solche Passage sollte man komplett und völlig
unverändert zitieren, weil es sich um eine wichtige Definition
handelt. Davon abgesehen ist aber das Zitat nicht korrekt, weil es
Auslassungen und Zusätze enthält und nicht klar ist, wo es
anfängt und aufhört. Formal korrekt hätte es folgendermaßen
aussehen müssen:
korrigiert
Für eine korrekte Zitierung hätte die obige Passage die
folgenden Zusätze (in Rot) enthalten müssen:
"Paarsequenzen [werden
definiert als Sequenz von] zwei Äußerungen[...]
die
- benachbart sind
- von verschiedenen Sprechern erzeugt werden
- [aus] eine[m]
ersten und eine[m]
zweiten Teil [bestehen]
- zu bestimmten Gruppen gehören, so dass ein bestimmter erster
Teil einen bestimmten zweiten Teil (oder einen von [...]
[bestimmten] möglichen zweiten Teilen)
verlangt: [...] [z.B.]
verlangt [...] ein Gruß [...]
einen Gegengruß[, eine
Frage eine Antwort usw.]"
(nach Levinson (2000) S.330)
Natürlich ist eine solche Abwandlung den Aufwand überhaupt
nicht wert. Korrekt wäre einfach folgender Weg:
korrekt
... Levinson definiert den Begriff der Paarsequenz
folgendermaßen (Levinson 2000: 330):
"Paarsequenzen sind Sequenzen aus zwei
Äußerungen, die
(i) benachbart sind
(ii) von verschiedenen Sprechern erzeugt werden
(iii) in einen ersten Teil und einen zweiten Teil aufgegliedert
werden können
(iv) zu bestimmten Gruppen gehören, so dass ein bestimmter erster
Teil einen bestimmten zweiten Teil (oder einen von mehreren
möglichen zweiten Teilen) verlangt; so verlangt ein Angebot eine
Annahme oder Zurückweisung, ein Gruß verlangt einen Gegengruß
usw."
... |
(S. Levinson (2000) Pragmatik,
dt. Übersetzung von M. Wiese.
Niemeyer: Tübingen, S. 330)
Paarsequenzen sind Sequenzen aus zwei Äußerungen, die
(i) benachbart sind
(ii) von verschiedenen Sprechern erzeugt werden
(iii) in einen ersten Teil und einen zweiten Teil aufgegliedert
werden können
(iv) zu bestimmten Gruppen gehören, so dass ein bestimmter erster
Teil einen bestimmten zweiten Teil (oder einen von mehreren
möglichen zweiten Teilen) verlangt; so verlangt ein Angebot eine
Annahme oder Zurückweisung, ein Gruß verlangt einen Gegengruß
usw.
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2. Korrekter Quellenbezug für referierten Inhalt
Grundsätzlich gilt:
- Sie formulieren die referierten Inhalte mit Ihren eigenen Worten.
(Eine der wesentlichen Leistungen bei einer Hausarbeit ist eben diese
Formulierung wissenschaftlicher Überlegungen in Ihren eigenen
Worten).
- Sie machen im Text immer, wenn Sie etwas referieren, deutlich, aus
welcher Quelle (Literaturverweis mit Seitenzahl) Sie referieren.
Referierte Passagen dürfen sich auf keinen Fall so anhören, als
wären es Ihre eigenen Überlegungen.
| Hausarbeit |
Quelle |
| Manchmal treffen Sprachen
mehr Unterscheidungen als andere. Löbner (2003: 231) zeigt diesen
Unterschied an dem Beispiel für die Ausdrücke für Maus und Ratte.
Im Deutschen differenzieren wir diese Begriffe. Das Japanische
jedoch kennt nur einen Ausdruck für beides: nezumi. |
(S. Löbner (2003) Semantik,
Berlin: de Gruyter, S. 231)
| Deutsch |
Maus |
Ratte |
| Japanisch |
nezumi |
| Abbildung 8.1 |
Fehlende Entsprechung zwischen bedeutungsähnlichen Ausdrücken in
zwei Sprachen kann verschiedene Formen annehmen. Häufig
differenziert eine Sprache in einem bestimmten Fall in ihrem Lexikon
stärker und hat zwei oder mehr Wörter, wo die andere nur eines hat
(Abbildung 8.1). |
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